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Eskalierte IT-Projekte stabilisieren: Der Weg zum Turnaround

Wenn ein IT-Projekt Zeit- und Budgetrahmen reißt, ist die erste Reaktion oft dieselbe: mehr Druck, mehr Überstunden, mehr Statusmeetings. Die Zahlen zeigen, warum das selten reicht. Laut einer Untersuchung von McKinsey und der Universität Oxford über mehr als 5.400 IT-Projekte liegen große IT-Vorhaben im Schnitt 45 Prozent über dem Budget, 7 Prozent über dem Zeitplan und liefern 56 Prozent weniger Wert als geplant; 17 Prozent geraten so weit außer Kontrolle, dass sie das Unternehmen selbst gefährden können. Eskalation ist also kein Ausnahmefall, sondern ein kalkulierbares Risiko — entscheidend ist, wie früh und wie ehrlich darauf reagiert wird.

Stabilisierung beginnt mit Transparenz

Vier Schritte bringen ein eskaliertes Projekt zurück in steuerbares Fahrwasser:

  • Ehrliche Standortbestimmung: Scope, Plan und Ist-Stand werden ohne Beschönigung abgeglichen. Was ist tatsächlich abgenommen — nicht „zu 90 Prozent fertig”? Welche Annahmen der ursprünglichen Planung gelten nicht mehr? Erst ein belastbares Lagebild macht alle weiteren Entscheidungen möglich.
  • Re-Baseline statt Durchhalteparolen: Ein Plan, der nachweislich nicht mehr erreichbar ist, steuert nichts — er beschäftigt nur. Ein neuer, realistischer Basisplan mit klaren Meilensteinen ist keine Kapitulation, sondern die Voraussetzung für Verbindlichkeit. Laut McKinsey erhöht jedes zusätzliche Projektjahr die Kostenüberschreitung um durchschnittlich 15 Prozent: Aufschieben verteuert.
  • Entscheidungsfähigkeit des Lenkungsausschusses: Das Gremium braucht Entscheidungsvorlagen mit Optionen und Konsequenzen statt Folienschlachten. Wenn jede Sitzung mit „wird weiter beobachtet” endet, ist die Governance Teil des Problems — Vertagung ist im eskalierten Projekt die teuerste Entscheidung.
  • Lieferanten steuern, Team fokussieren: Verträge, Abhängigkeiten und offene Punkte mit externen Partnern werden neu geordnet und mit dem Re-Baseline-Plan verknüpft. Im Team gilt: Parallelarbeit reduzieren, wenige klare Prioritäten setzen und Störungen konsequent abschirmen.

Der Preis schlechter Projektsteuerung

Die volkswirtschaftliche Dimension ist gut belegt. Laut PMI Pulse of the Profession 2018 gehen 9,9 Prozent jedes investierten Dollars durch schlechte Projektperformance verloren; Organisationen, die 80 Prozent oder mehr ihrer Projekte im Zeit- und Budgetrahmen und im Sinne der Geschäftsziele abschließen, erreichen eine Erfolgsquote von 92 Prozent — bei den schwächsten sind es 32 Prozent. Und die Fallhöhe einzelner Vorhaben ist real: Bent Flyvbjerg und Alexander Budzier dokumentierten 2011 in der Harvard Business Review ein IT-Projekt, dessen Budget unter 5 Millionen US-Dollar lag — und das mit einer Abschreibung von 192,5 Millionen US-Dollar endete. Wer ein eskaliertes Projekt schönredet, verhandelt nicht über Wochen, sondern über Größenordnungen.

Was Projektverantwortliche jetzt tun sollten

Die Warnsignale sind meist früh sichtbar: Meilensteine verschieben sich wiederholt, der Forecast wird zur Verhandlungssache, das Team meldet keine Risiken mehr. Spätestens dann lohnt eine unabhängige Standortbestimmung durch jemanden ohne Vorgeschichte im Projekt. Danach gilt: Re-Baseline als bewusste Führungsentscheidung treffen, den Lenkungsausschuss klein und entscheidungsfähig halten und Transparenz belohnen statt bestrafen — wer schlechte Nachrichten sanktioniert, bekommt keine mehr. Die relevante Kennzahl ist nicht der Fertigstellungsgrad auf der Statusfolie, sondern die Zahl der Wochen seit der letzten ehrlichen Standortbestimmung.

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